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Der Binger Bleistift

Es wird erzählt, dass im Gemeinderat von Bingen einmal der Bürgermeister vergebens nach einem Bleistift suchte, um etwas aufzuzeichnen, und wie er selbst, so hatte auch keiner der Ratsherren ein solches Ding bei sich. Nach Schluß der Sitzung lud er die Herren ein, noch etwas beisammen zu bleiben und einige Pröbchen seines selbstgezogenen Eiseler Rieslings zu kosten. Als der Ratsdiener mit dem Wein erschien, fragte der Bürgermeister launig: "Wer hat denn jetzt einen Stopfenzieher?".

Da fuhren die Herren wie auf Kommando in die Tasche, und es kamen im Nu soviel Stopfenzieher zum Vorschein wie Ratsherren da waren, große und kleine, kostbare und gewöhnliche, aber alles handfeste, praktische Stopfenzieher. Alle Herren sahen sich an und lachten, und seitdem nennt man in der Umgegend von Bingen den Stopfenzieher nicht anders als "Binger Bleistift".

Aus: "Volk am ewigen Strom", zweiter Band, Gottfried Henßen, 1935.

 

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