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Das Lied der freyen Wöllsteiner

Friedrich Lehne (1771-1836)
Politisches Kampflied in der Zeit der Mainzer Republik (1792/93)

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Auf! Auf! Es geht! Es ist gegangen!
Nehmt unsre Rechte kühn zurück!
Laßt Sklaven vor Despoten bangen!
Die feige Schaar verdient kein Glück.
Laßt uns der Freyheit würdig werden,
Sie ist des Menschen bestes Gut;
Und fließt für sie auch all sein Blut,
Genießt sein Sohn doch Glück auf Erden.
Wohlan! Die Wahl ist leicht!

|: Nur Freiheit oder Tod!:|
|: Weh dem! Fluch dem!
   Der je es wagt,
   Und unsrer Freiheit droht.:|

Wir pflügten lange unsre Äkker,
Viel träge Prasser nährten wir.
Und seht! Sie wurden immer kekker.
Erniedrigten uns bis zum Thier.
Sie blendeten uns mit dem Glanze,
Den ihnen unser Fleiß verschafft;
Und so war stark durch unsre Kraft
Manch träger Pfaff, manch geiler Schranze.
Wohlan! Die Wahl ist leicht!

|: Nur Freiheit oder Tod!:|
|: Weh dem! Fluch dem!
   Der je es wagt,
   Und unsrer Freiheit droht.:|

Wir selbst wir machen die Gesetze;
Denn wer weiß besser, was uns nützt?
Dadurch behalten wir die Schätze,
Die dann kein Schwelcher mehr besitzt.
Wir selbst wir wählen unser´n Richter,
Den weder Gold noch Lob besticht,
Vertrau´n erweckt stets sein Gesicht,
Schrökt nie, wie jene Amtsgesichter.
Wohlan! Die Wahl ist leicht!

|: Nur Freiheit oder Tod!:|
|: Weh dem! Fluch dem!
   Der je es wagt,
   Und unsrer Freiheit droht.:|

O Gott! Beschützer alles guten!
Schenk´ unsrer Freyheit deinen Schild!
Wir wollen gerne für sie bluten,
Wenn es dein Richterwink befiehlt.
Gieb unser´n Werken deinen Segen!
Denn der nur gründet unser Glück;
Wir fordern dein Geschenk zurück,-Komm´
unser´m Muth mit Kraft entgegen.
Wohlan! Wir schwören dir!

|: Nur Freiheit oder Tod!:|
|: Weh dem! Fluch dem!
   Der je es wagt,
   Und unsrer Freiheit droht.:|

 

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